Von 2007 bis 2010 arbeiteten wir, Schüler verschiedener Klassenstufen und zwei betreuende Lehrer des Martin-Luther-Gymnasiums Frankenberg, mit dem Gellert-Museum Hainichen an einem Projekt über den Dichter Christian Fürchtegott Gellert, der 1715 in Hainichen geboren wurde.

Eine moderne Biografie zu Gellert fehlt bisher. Wir möchten mit einem von uns produzierten Scherenschnittfilm, ausgewählten Informationen und kurzweiligen Interviews eine vielfältige Beschäftigung mit ihm und seiner Zeit anbieten.

"Der Auftrag" ist ein fiktiver Kurzfilm, in dem sich ein dänischer Student auf Gellerts Spuren nach Sachsen begibt. Ausführlichere Angaben über die Personen, die er dabei trifft, sind im "Archiv" unter "Biografien" zu finden. Im Kriegsdiarium gibt es einen Überblick über das Kriegsgeschehen von 1700 bis 1770. Die erste Gellertbiografie von 1774 lag bisher nur in Frakturschrift vor. Wir haben sie in die uns geläufige lateinische Schrift in der Rubrik "Historische Quellen" übertragen. Wer mehr über die damalige Situation in Sachsen erfahren möchte, kann in den thematisch abwechslungsreichen "Interviews" nachlesen.

Unsere Webpräsentation möchte Schüler, Studenten und Kulturinteressierte ansprechen. 2024 ist sie technisch angepasst worden, dabei mussten wir auf einige Animationen bei den Büchern und auf unsere Spiele verzichten. Wir wünschen dennoch viel Spaß beim "Aufspüren".

Warum und wie haben wir einen Scherenschnittfilm gedreht?
Scherenschnitte waren im 18. Jahrhundert sehr beliebt. Silhouettenfilme sind eine deutsche Erfindung. Seit den 1970er Jahren bis Anfang der 1990er Jahre entstanden zahlreiche Produktionen im DEFA-Studio Dresden. In Kreischa, nahe Dresden, wird noch mit der Legetechnik gearbeitet. Deshalb haben wir uns entschieden, die Scherenschnittanimation kennenzulernen und einen Umsetzungsversuch gewagt.
Profis fertigen für eine Sekunde 24 Aufnahmen, das sind für eine Minute 1.440, für 5 Minuten schon 7.200 Bilder. Unser Film ist 12 min lang geworden. Doch wir als Erstanimatoren haben weniger als 17.280 Bilder aufgenommen. Unser Material ist im Schnitt professionell bearbeitet und angepasst worden. Als Sprecher konnten wir dank der Förderung Schauspieler aus Freiberg, Dresden, Leipzig und Chemnitz engagieren. Vor allem freut uns, dass Christian Clauß die Hauptrolle übernommen hat. Er ist in Hainichen aufgewachsen und spielte am ehemaligen Gellert-Gymnasium in der Theatergruppe.

Wie ist das Projekt verlaufen?
Nachdem wir uns an dem Wettbewerb, der vom Kultusministerium Sachsen mit der Robert-Bosch-Stiftung ausgeschrieben worden war, erfolgreich beworben hatten, begann die konkrete Planung unserer Projektidee. Wir gehörten zu den 15 Tandems – mindestens eine Schule mit einem Museum – die ihre Ideen auch umzusetzen durften.

Wir begannen mit den Recherchen, die für das Wissensportal nötig waren. Wir reisten nach Dresden, Leipzig, Freiberg und Meißen und lernten Hainichen genauer kennen. Wir setzten uns intensiv mit der historischen Situation in Sachsen, der Kunst, Literatur und Musik auseinander und lernten die Kenntnisse zu verknüpfen. Die daraus entstandenen Interviews wurden von Fachleuten begutachtet und nach vielen Überarbeitungen in eine Endfassung gebracht. Wir befassten uns mit Gellert und seiner Familie, nutzten im Museum die Sammlungen und Forschungen, lernten Frakturschrift lesen. Gemeinsam transkribierten wir die Cramer-Biografie, welche unser Ausgangspunkt für den Scherenschnittfilm war, eine Biografie aus dem 19. Jahrhundert sowie alte (Zeitungs-)Berichte.
Wir erhielten eine Einführung in Gestaltungsfragen und die Schriftentwicklung seit der Reformation, um zusammen mit einem Designer nach einem eigenen gestalterischen Konzept für unser Projekt zu suchen. Wir sahen uns gemeinsam das Trickstudio in Kreischa an, bevor wir in kleineren Teams weiterarbeiteten. Speziell für den Bereich Programmierung unterstützten uns externe Berater. Die Textgruppe profitierte von der Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK) Chemnitz, besonders durch die dramaturgischen Besprechungen mit Egmont Elschner. Die Bildgruppe erhielt von den Museumsmitarbeitern Hilfe und durfte am großen Tricktisch der professionellen Animatoren in Kreischa animieren. Für die Nachproduktion fanden die Audioaufnahmen mit Schauspielern im SAEK Chemnitz statt, der gesamte Filmschnitt und die Filmfertigstellung entstanden in Kreischa, kompetent begleitet von Stefan Kutsche vom SAEK Bautzen.
Während der Projektdauer bereiteten wir für Dresden und anlässlich der Vergabe des Titels "Land der Ideen 2009" für "LernStadtMuseum" in Brand-Erbisdorf verschiedene Präsentationen vor und konnten weitere, für alle Tandems angebotene Workshops besuchen.

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